Architektur

Pfarrkirche St. Nikolaus

Der Bischof und der Jugendstil

Ursprünglicher Entwurf von Carl Moritz
Ursprünglicher Entwurf von Carl Moritz

Noch heute prägt die Nikolauskirche mit ihren beiden etwa 49 Meter hohen achteckigen, kupfergedeckten Türmen das Bild Stoppenbergs. Die auffällige rotbraune Farbe und die unregelmäßig bearbeiteten Sandsteine der Fassade unterstreichen das massive Erscheinungsbild der Kirche. Einziger figürlicher Schmuck ist hier eine aus Tuffstein gehauene Kreuzigungsgruppe. Die von Engelsgestalten umgebene Jesusfigur ist etwa vier Meter hoch. Die kompakte äußere Architektur der Kirche steht im Kontrast zur hellen Weitläufigkeit im Innern. Betritt man von der niedrigen Vorhalle den Innenraum der Kirche, so geht der erste Blick unweigerlich nach oben. In 21 Meter Höhe überspannt eine Holzkassettendecke in lichtem Blau das 45 x 75 Meter messende Kirchenschiff. Diese ersetzte 1937 die ursprüngliche Rabitzdecke (abgehängte Drahtputzdecke), die nach einem Entwurf von Carl Moritz mit kassettenartigen Ornamenten bemalt war, aber bereits 30 Jahre nach Einweihung der Kirche starke Bergschäden aufwies. Bei der Innenraumgestaltung ließ sich Moritz im Wesentlichen von der Konstantinbasilika in Rom inspirieren. Er bezog auch die liturgischen Reformideen um 1900 in seine Planung ein, indem er von allen Plätzen freie Sicht auf Altar und Kanzel ermöglichte. Wenig begeistert von der unkonventionellen Architektur zeigte sich Kardinal Fischer, der sich nach der ersten Besichtigung am Vortag der Einweihung an ein „Opernhaus“ erinnert fühlte und zunächst die Konsekration der Nikolauskirche verweigerte. Nach einiger Überzeugungsarbeit änderte er jedoch seine Meinung und vollzog die Weihe.

 

 

 

Grundriß
Grundriß
Innenraum um 1909 (mit ursprünglicher Rabitzdecke)
Innenraum um 1909 (mit ursprünglicher Rabitzdecke)